Synergieeffekte zwischen Stadt und Land nutzen – Stadt Land Gemüse

Der Demeter-Betrieb Stadt Land Gemüse wurde erst 2018 gegründet und befindet sich immer noch in der Aufbauphase. Das angebaute Gemüse und das geerntete Obst der gepachteten Streuobstwiesen wird ausschließlich im eigenen Hofladen in Köln verkauft. Außerdem wird ab 2020 auf einer Fläche von 10 ha Ackerbau betrieben. Zurzeit wächst auf der 10 ha großen Fläche eine Kleegrasmischung, die als Futtermittel an umliegenden Landwirte verkauft wird. Auf den Streuobstwiesen leben seit 2019 auch acht Leineschafe, die die Landschaftspflege der Fläche übernehmen und zusätzlich soll ab 2020 das Fleisch der männlichen Lämmer über den Hofladen vermarktet werden. Die stadtnahe Lage (ca. 18 km entfernt von Köln) der Anbauflächen ermöglicht kurze Lieferwege zum Hofladen in der Kölner Innenstadt.

Der Betrieb    

Der Betrieb verfolgt ein nachhaltiges Konzept, das durch einen vielfältigen Gemüseanbau geprägt ist. Dadurch können Krankheiten und Schädlingen auf natürliche Weise verhindert werden. Gemüse wird auf einer Fläche von 1,2 Hektar angebaut. Insgesamt werden 35 Gemüsekulturen über das Jahr verteilt angebaut. Zusätzlich werden dort auch weitere Produkte aus der Region, wie beispielsweise Wein, Honig, Fleisch und Gemüse, vermarktet. Zurzeit wird die Arbeit auf dem Hof und im Hofladen größtenteils vom Gründer des Betriebs geleistet. Bei der Feldarbeit wird er von einem Gärtner unterstützt. Das Landschaftsbild wird durch Tagebaugebiete und großflächigen Ackerbau (vor allem Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps und Weizen) dominiert. Die Art und Weise wie auf diesem Hof Lebensmittel produziert werden, hebt sich somit von den meisten anderen Betrieben in der Region ab.

Entwicklungspfad                   

Der Gründer des Hofes StadtLandGemüse war nicht immer in der Landwirtschaft tätig. Er begann seine landwirtschaftliche Ausbildung mit Ende Zwanzig und beschloss, seinen eigenen nachhaltigen landwirtschaftlichen Betrieb zu gründen. Der Betrieb wurde 2018 gegründet und befindet sich noch im Aufbau. Der erste große Meilenstein war die Finanzierung der Erstausstattung für den Gemüseanbau. Ein Teil der Investition wurde durch ein Darlehen der Regionalwert AG Rheinland – einer bürgerlichen Aktionärsgesellschaft – gedeckt. Durch die Partnerschaft mit der Regionalwert AG Rheinland, die kleinbäuerliche Strukturen unterstützt, konnten der Folientunnel, ein Teil der Ausrüstung für den Gemüseanbau und ein Teil der Erweiterung des Hofladens finanziert werden. Ein weiterer wichtiger Schritt war die erste Gemüseanbausaison 2019, die erfolgreich verlief. Seit März 2019 ist auch der Hofladen in Köln an drei Tagen in der Woche geöffnet.

Geschäftsmodell                     

Für die anfänglichen Investitionen war die Partnerschaft mit der Regionalwert AG Rheinland sehr hilfreich. Über die Regionalwert AG konnte der Betrieb ca. 30.000 € investieren. Das Geld wurde unter anderem für einen Folientunnel, landwirtschaftliche Geräte und die Pacht des ersten Jahres verwendet. Einen Kredit von der Regionalwert AG zu erhalten ist häufig leichter als einen klassischen Bankkredit zu erhalten. Außerdem betreut die Regionalwert AG zahlreiche weitere Partnerbetriebe in der Region, sodass sich weitere Vorteile aufgrund der Netzwerkstruktur ergeben.


Ein weiterer wichtiger Aspekt des Geschäftsmodells ist die direkte Vermarktung in der Kölner Innenstadt. In dem Hofladen werden auch Produkte von anderen Landwirtinnen und Landwirten vermarktet. Die Beziehungen zu den anderen Betrieben, deren Produkte im Hofladen angeboten werden, haben sich vor allem durch das Netzwerk von Demeter-Betrieben ergeben.

Innovative Praktiken                                         

Bis auf eine solidarische Landwirtschaft und eine Gemüsekooperative gibt es in der Region kaum ökologisch wirtschaftende Betriebe und erst recht keine Neugründungen. Daher zeigt der Betrieb eine alternative Form der Landwirtschaft, die in der Region selten ist.

Zukunft           

Zunächst will Herr Groß seinen Betrieb am Markt etabliere und die kleinbäuerliche Struktur weiter verstetigen. Auch langfristig soll sein Betrieb kleinteilig und vielfältig bleiben und nicht immer weiterwachsen. Außerdem ist bereits geplant ab 2021 mit dem Ackerbau zu beginnen und bis dahin in die dafür notwendigen Maschinen zu investieren. Damit der Ackerbau sich lohnt, kann es sinnvoll sein die Ackerfläche um einige Hektar zu erweitern. Somit kommen sicherlich noch einige Meilensteine bei der Betriebsentwicklung hinzu und daher wird es auch erforderlich sein, dass der Betrieb durch eine weitere Arbeitskraft unterstützt wird, sodass die Aufgaben besser aufgeteilt werden können und keine Arbeiten auf der Strecke bleiben.

Tipps für Lernende                  

Zur Gründung eines eigenen Betriebs gehört auch ein gewisses Maß an Mut dazu und vor allem darf man die Neugier an neuen Ideen nichtverlieren. Um sich inspirieren zu lassen, ist es besonders hilfreich sich unterschiedliche Betriebsmodelle und Ideen in der Praxis anzuschauen. Dadurch kann man sich selbst einen besseren Eindruck verschaffen und erfolgreiche Strategien für die eigene Betriebsstruktur übernehmen oder gegebenenfalls anpassen.

Zusätzlich sollten bereits grundlegende Kenntnisse durch eine landwirtschaftliche Ausbildung o.ä. vorhanden sein, damit die Person zu mindestens eine grobe Vorstellung hat auf was sie sich einlässt und was sie erwartet.

Ein weiterer Tipp, den Herr Groß Neugründerinnen und Neugründern nahelegt, ist klein anzufangen und auch in der weiteren Entwicklung nicht zu schnell wachsen zu wollen. Auch wenn sich viele Entwicklungen unmittelbar nach der Gründung schwer überblicken lassen, empfiehlt Herr Groß nicht zu viel auf einmal realisieren zu wollen, damit die Betriebsstruktur mitwachsen kann und das Risiko überschaubar bleibt und man notfalls auch Energie und finanzielle Rücklagen hat, um einen zweiten Versuch zu starten.

Autorinnen: Corinna Sass, Simone Sterly