Milchwirtschaft in der ökologischen Landwirtschaft – GAEC du Soleil

GAEC du Soleil (Groupement Agricole En Commun) ist ein Milchviehbetrieb im Besitz von Bruno Gourdon in einem Mittelgebirgsgebiet im Zentrum Frankreichs (Massif Central). Seit 2016 wird der Betrieb nach biologisch-dynamischen Richtlinien und einem agroökologischen Ansatz geführt. Das bedeutet, dass der Betrieb mit ökologischen Prozessen arbeitet, um seinen Betrieb zu optimieren.

Dieser 50 ha große Betrieb mit 35 Milchkühen basiert auf einer Gras- oder Trockenfutterdiät im Winter. Agrarökologische Managementpraktiken sorgen für das Wohlbefinden des Landwirts, seiner Tiere und der Weiden. Das landwirtschaftliche Einkommen, das auf dem Hof für die Partner erwirtschaftet wird, beträgt 38.500 € pro Jahr.

Der Betrieb    

GAEC du Soleil ist ein 50 ha großer Milchviehbetrieb im Mittelgebirge (1.020 m Höhe – Massif Central) mit 35 Holsteiner und normannischen Milchkühen. Die aktuelle Produktion beträgt 6.200 l Milch (30 g/kg Protein und 36,5 g/kg Buttergehalt) für 870 kg Milchkonzentratmischungen pro Jahr. Die produzierte Milch ist für das landwirtschaftliche Gemeinschaftsunternehmen von Laqueuille (SICA von Laqueuille – lokale Molkerei) zur Herstellung von Blauschimmelkäse bestimmt. Es gibt daher keinen direkten Verkauf oder Kontakt mit dem Verbraucher. Es handelt sich um ein grasbasiertes System im Sommer und ein futterbasiertes System im Winter (Trockenheu und Nachwachsensfutter). Der gesamte Betrieb besteht aus Grasland und vor allem aus Dauergrasland.

Die GAEC du Soleil betreibt biologischen Landbau und ist Teil eines agroökologischen Ansatzes. Unter Agrarökologie versteht man hier die Gestaltung von Produktionssystemen, die auf den Funktionalitäten von Ökosystemen basieren. Es verstärkt sie und zielt darauf ab, die Umweltbelastung zu verringern und die natürlichen Ressourcen zu erhalten. Ziel ist es, die Natur als Produktionsfaktor optimal zu nutzen, indem die Erneuerungsfähigkeit erhalten bleibt. Es beinhaltet den Einsatz einer Reihe von Techniken, die den gesamten Betrieb berücksichtigen. Durch diesen systemischen Ansatz können technische und wirtschaftliche Ergebnisse erhalten oder verbessert und gleichzeitig die Umweltleistung verbessert werden.

Darüber hinaus ist GAEC du Soleil sehr engagiert in einer Vereinigung der Züchter Eleveurs Autrement. Herr Gourdon, der Besitzer des Betriebs, ist der Präsident dieser Vereinigung, in der sich Landwirte zusammenschließen, die einen agroökologischen Ansatz auf ihrem Betrieb anwenden wollen. In diesem Zusammenhang arbeiten sie an der Umsetzung innovativer Managementpraktiken.

Ziel des Betriebes ist es, für zwei Personen (Ehepaar) in einem lebensfähigen System zu leben, das den Herausforderungen von morgen gewachsen ist (Ernährung, Kohlenstoffmanagement, Antibiotikaresistenz, Klima und Nitrate).

Entwicklungspfad                   

Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung (Höherer Technikerbrief – Analyse, Management und Strategie des landwirtschaftlichen Betriebs – BTS ASCE: zwei Jahre nach dem Abitur) arbeitete der Betriebsleiter mehrere Jahre in einer Bank. 1995 übernahm er den Hof seines Schwiegervaters. Er war allein auf dem Hof mit 10 Mutterkühen, 20 Milchkühen auf 33 Hektar und 80.000 Liter Milch als Unterstützung. Im Jahr 2000 entwickelte sich der Betrieb weiter: Nur Milchkühe blieben auf dem Hof, mit der Möglichkeit, 120.000 l und dann 150.000 l Milch auf 40 ha zu produzieren.

Im Jahr 2009 führte die Milchkrise zu einem Rückgang des landwirtschaftlichen Einkommens. Das Produktionssystem wurde in Frage gestellt: Sie mussten sich entscheiden, ob sie das System herunterfahren oder radikal ändern würden. Sie beschlossen, einen radikalen Wandel zu vollziehen und sich auf ein alternatives und biologisches System hinzubewegen und widmeten sich dem ökologischen Landbau. Dazu brauchten sie eine Schulung in ökologischem Landbau und ökologischen Praktiken, bevor sie die Umstellung durchführen konnten. In diesem Rahmen absolvierte der Betriebsleiter 250 bis 300 Stunden Training pro Jahr. Heute absolviert er noch etwa 15-20 Trainingstage pro Jahr. Die Installation von Solarmodulen auf dem landwirtschaftlichen Gebäude im Jahr 2007 ermöglichte es, die wirtschaftlichen Unsicherheiten und den Wandel der Produktionssysteme zu bewältigen.

Im Jahr 2012 hatten sie die Möglichkeit, den Betrieb zu erweitern, was zu einer wirtschaftlichen Umgestaltung führte: Der Betrieb wuchs auf 35 Milchkühe mit einer Möglichkeit von 249.000 l Milch auf 50 ha (Holsteiner und Normannenrasse, 6.200 l Milch mit Protein: 30 g/kg und Fett: 36,5 g/kg). Jetzt arbeitet eine zweite Person auf dem Hof (Brunos Frau). Seine Frau übte eine weitere Teilzeitbeschäftigung bis zu den erlaubten Stunden (535 h/Jahr) aus.

Ab 2016 wurde der Betrieb ökologisch bewirtschaftet. Die Umstellungszeiten wurden durch den schrittweisen Übergang seit 2009 verkürzt (1 Jahr Umstellung für Flächen und 6 Monate für Milchkühe). Die Milch wird nun biologisch an die SICA von Laqueuille verkauft, die Blauschimmelkäse herstellt.

Mr. Gourdons Systemwechsel erforderte eine Schulung in alternativen Methoden. Dies fördert den Austausch mit anderen Landwirten auch in Bezug auf diese Aspekte. Außerdem war er 2016 eines der Gründungsmitglieder der Eleveurs Autrement Association, deren Präsident er heute ist. Dieser Verband vereint Züchter, die anders arbeiten wollen, mit mehr Respekt für ihre Arbeit, ihre Tiere und ihre Wiesen.

Herr Gourdon ist auch im Verwaltungsrat der SICA von Laqueuille, an die er seine Milch liefert. Er ist freiwilliger Feuerwehrmann und hatte eine Rolle in der Leitung der Gemeinde (Gemeinderat).

Im Hinblick auf das enge soziale Umfeld können die Beziehungen zu benachbarten Landwirten kompliziert sein, da die Wahl alternativer Systeme manchmal als “ unlogisch “ angesehen wird. Allerdings gibt es eine gewisse Unterstützung von einigen wenigen Nachbarn.

Geschäftsmodell                     

Finanzzahlen:

Die GAEC du Soleil ist ein landwirtschaftlicher Zusammenschluss der beiden Ehepartner.

Der Bruttobetriebsüberschuss beträgt 54.000 € für 2 Personen. Die Renten und Finanzierungskosten betragen 11.000 € und die Selbstfinanzierung 4-5.000 €, was den Partnern ein landwirtschaftliches Einkommen von 38.500 € pro Jahr oder ca. 1.600 € pro Jahresarbeitseinheit (französisches Mindestgehalt von 1.521 €) einbringt. Die Subventionen (Direktzahlungen) der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) tragen bis zu 63% zum Bruttogewinn des Betriebs bei.

Arbeitsbelastung:

Herr Gourdon arbeitet 35 Stunden pro Woche. Die Reduzierung des Technologieeinsatzes und die Wahl eines Heusystems haben es ihm ermöglicht, die Arbeitsbelastung auf seine aktuelle Arbeitszeit zu reduzieren. In der Tat ist der Übergang von einem Silosystem mit einer starken Abhängigkeit von gegenseitiger Hilfe und einer langen Arbeitszeit zu einem System, das in Bezug auf Zeit und Arbeitskraft wirtschaftlicher ist, ein wichtiger Schritt in diesem System. Hinzu kommen die Auswahl an Arbeitsgeräten (z.B.: leistungsstarker Kleintraktor) und eine strategische Ausrichtung des Gebäudes.

Innovative Praktiken                                        

  • Einsatz der Osteopathie bei Tieren: Diese Methode zur Beseitigung von Spannungen bei Tieren ist die wichtigste innovative Methode. Es ermöglicht dir, „mit den Händen zu fühlen“, ohne von einem Außenstehenden abhängig zu sein. Zuvor lag es in der Verantwortung des Tierarztes. Die Auswirkungen auf das Verhalten des Tieres sind erheblich und beeinflussen anschließend die Leistungsfähigkeit des Systems;
  • Anwendung von Fütterungspraktiken, die auf die Einbeziehung von Menschen und Tieren ausgerichtet sind. Die Futterverteilung im Winter erfolgt in 3 Stufen:
    1. Identifizierung des am Ende des Sommers vorhandenen Bestandes für die Wintersaison (Prognose der Futtermenge und -qualität);
    2. Angabe der Menge des Futters, das während der Wintermonate an die Tiere verteilt werden soll;
    3. Anpassung an die Tiere. In den ersten beiden Schritten ist es der Landwirt, der seine Winterration berechnet. Von diesem Zeitpunkt an ist es das Tier, das die Ration mit Hilfe der Ernährungsdiagnose auf der Grundlage des Obsalim®-Tools anpasst. Dieser Schritt erfordert Kenntnisse über die Leistungsdiagnose. Dazu gehört auch ein Austausch mit dem Tier (Kommunikation)
  • Nutzung der Tierkommunikation: Dazu gehört der Austausch mit dem Tier, um sein Wohlbefinden zu fördern und ein besseres Zusammenspiel des Systems zu ermöglichen. Diese Managementpraxis wird beispielsweise in der Tierernährung umgesetzt;
  • Einsatz der Homöopathie nach dem Halmann-Konzept: Die Tierpflege wird durch diesen Ansatz gewährleistet;
  • Nutzung der Geobiologie: Die Gebäudeplanung und die Anpassung des Systembetriebs basieren auf dieser Managementpraxis der Berücksichtigung von Magnetfeldern und Grundwasserströmen bei der Gebäudeplanung.

Diese innovativen Managementpraktiken basieren alle auf SIGN OBSERVATION. Die praktische Umsetzung ist der Schlüssel. Diese Managementpraktiken müssen schrittweise umgesetzt werden.

Diese Managementpraktiken werden im Verein Eleveurs Autrement in Form von Schulungen vorgeschlagen. Der Verband wählt eine Managementpraxis, wenn:

  • sie einfach zu implementieren ist;
  • sie leicht zu erlernen ist;
  • sie Ergebnisse zeigt;
  • sie wirtschaftlich gerechtfertigt ist;
  • sie logisch in den systemischen Ansatz des Betriebs, indem alles miteinander verbunden ist, hineinpasst.

Außerdem ist es notwendig, den Austausch innerhalb von Züchtergruppen zu fördern.

Zukunft          

Der Betrieb befindet sich derzeit in einem bestimmten Rhythmus, aber es wird angestrebt, das bestehende System zu verbessern, Experimente durchzuführen und neue Erkenntnisse über die Kontinuität der angewandten Praktiken und Ansätze zu gewinnen.


Tipps für Lernende                 

Um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, ist es wichtig, offen für neue Entwicklungen und Praktiken zu sein.

Es ist aber auch wichtig, dass Sie bei der Schulung und Umsetzung dieser Managementpraktiken gut unterstützt werden. Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht für eine Managementpraxis entscheiden, die alternativ erscheint, aber eine starke Abhängigkeit von einer externen Quelle erfordert oder die sehr hohe Kosten verursacht und daher den Betriebsablauf des Betriebs beeinträchtigt (z.B. ätherische Öle). Achten Sie darauf, dass Sie die technischen Einschränkungen im Betrieb und die Kosten für die Einführung einer Managementpraxis vorwegnehmen.

Die Kommunikation und der Austausch mit anderen Landwirten sind unerlässlich, um neue Managementpraktiken zu entdecken und bei deren Umsetzung zu unterstützen.

Auch eine praktische Ausbildung in der Landwirtschaft wird empfohlen. Eine theoretische Hochschulausbildung kann auch in mancher Hinsicht hilfreich sein, aber der praktischen Ausbildung wird mehr Bedeutung beigemessen, da sie wesentlich dazu beiträgt, Erfahrungen zu sammeln und neue Situationen im Zuge der Existenzgründung besser einschätzen zu können.

Autorinnen: Adeline Vedrine, Audrey Michaud