Familienunternehmen mit geschlossenem Produktionskreislauf – Rimkai Organic Farm

Die Rimkai Organic Farm ist ein 20 Hektar großer multifunktionaler Familienbetrieb, der hauptsächlich, aber nicht nur, Gemüse produziert. Die Familie Rimkai hat ihren Betrieb auf dem Land ihrer Großeltern errichtet, das sie 1994 von der Regierung zurückerhalten hat. Der Betrieb basiert auf einem geschlossenen Produktionsmodell. Dieses Modell beruht darauf, dass nicht genutztes Gemüse zur Fütterung der Tiere verwendet wird, während sie gleichzeitig die für den Gemüseanbau notwendigen Düngemittel produzieren. Alle Pflanzen und Tiere auf dem Hof sind miteinander verbunden. Dieses Landwirtschaftsmodell bedeutet zusätzliche Arbeit, aber es erlaubt ihnen auch, ihre Kunden an einem Ort eine große Produktvielfalt anzubieten.

Der Betrieb    

Die Rimkai Organic Farm befindet sich außerhalb von Raudondvaris, in der Nähe von Kulautuva im Zentrum Litauens. Die Familie bewirtschaftet diese Gegend seit 1994. Sie haben mit der Landwirtschaft auf 7,5 ha Land begonnen, das ihrer Familie seit langem gehörte und ihnen während der Besatzung genommen wurde. Im Jahr 1994 erhielt die Familie das Land von der Regierung zurück, und der landwirtschaftliche Betrieb wurde gegründet. Seitdem ist die Fläche auf über 20 ha angewachsen. Obwohl nie chemische Pestizide zum Schutz der Ernte eingesetzt wurden, wurde der Betrieb erst 2007 offiziell als Biobetrieb zertifiziert. Die Besitzer des Hofes verfügen über keinerlei Ausbildung im Zusammenhang mit der Landwirtschaft. Sie sammelten Erfahrungen, indem sie ihren Eltern und Großeltern zusahen, wie sie ohne Düngemittel und Pestizide Landwirtschaft betrieben. Außerdem eigneten sie sich auch selbstständig viel Fachwissen an.

Die Bauernfamilie hat sich das Hauptziel gesetzt, jedem Kunden alles zu bieten, was er oder sie braucht. Dies führt zu einem breiten Anbau von Gemüse, Beeren und Früchten und zur Produktion von Honig und Eiern auf dem Bauernhof. Für sie lohnt es sich nicht, in teure Traktoren oder andere Maschinen zu investieren, da der Produktionsprozess viel Handarbeit erfordert. Es gibt viele verschiedene Aufgaben auf dem Bauernhof, daher ist es sehr wichtig, dass die Aufgaben gut verteilt sind und dass definiert wird, welche Aufgaben Priorität haben. Die Familie betont, dass es ebenso wichtig ist, der Organisation und Planung der Aufgaben genügend Zeit zu widmen, wie ihrer tatsächlichen Durchführung. Dies ist etwas, das mit Erfahrung und Praxis einhergeht. Um die Arbeit richtig zu organisieren, verlässen sich die beiden jungen Landwirte auf ihr Wissen, das sie durch die Beobachtung ihrer Eltern erworben hat. Die früheren Besitzer des Bauernhofs (Großeltern) haben nie Dünger oder Pflanzenschutzmittel für den Gemüseanbau verwendet. Sie haben die Natur immer respektiert, und dieser Wert wurde an ihre Kinder und Enkelkinder weitergegeben, die jetzt auf dem Hof arbeiten. Die Familie Rimkai blickt nach vorne und baut nicht nur auf den bisherigen Erfahrungen auf, sondern baut auch weiterhin neues Fachwissen auf, indem sie Seminare zu allen relevanten Themen besucht und aktuelle Artikel zu relevanten Themen liest. Der Bauernhof liegt in der Nähe des Waldes, der Ort ist leicht hügelig, an manchen Stellen ist das Land rau, aber die Landschaft ist sehr schön. In diesem Sommer haben Untersuchungen über den Gehalt an freiem Kalzium und Phosphor gezeigt, dass der Boden nicht unter dem Durchschnitt Litauens liegt und dass der Humusgehalt des Bodens durchschnittlich oder gut ist. Die Familie Rimkai ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden, denn es hat sich gezeigt, dass der biologische Landbau ihnen geholfen hat, fruchtbares Land zu erhalten, und dass das Land ihrer Großeltern nicht beschädigt wurde.

Entwicklungspfad                   

Es gibt einige Meilensteine, die für die Entwicklung des Familienbetriebs Rimkai sehr wichtig waren:

  • 1994 – als das Land zurückgewonnen wurde und
  • 2007 – als der Betrieb als ökologisch zertifiziert wurde.

Das Unternehmen begann mit Einsparungen, die den Kauf eines neuen Traktors ermöglichten, und später, nachdem sie mehr Geld verdient hatten, wurde in den Kauf mehrerer gebrauchter Maschinen investiert. Vor ca. 13 Jahren war Familie Rimkai am Projekt „Unterstützung für Semi-Subsistenzbetriebe, die sich in der Umstrukturierung befinden“ beteiligt und erhielt Unterstützung von der EU. Dies ermöglichte ihnen die Anschaffung der notwendigen Ausrüstung, der ökologischen Egge und die Reparatur des Speisekammerdaches.

Jetzt bauen die Landwirte auf dem Hof verschiedene Gemüsesorten an: auf einer Fläche von 3-4 Hektar bauen sie u.a. Salat, Kürbisse, Kohl an. Außerdem verfügen sie über ein Gewächshaus (1000 m²), in dem sie Frühgemüse und Gemüse mit höherem Wärmebedarf anbauen. Und seit 2014 bauen sie auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern Spargel an. Zusätzlich wurde der Obstgarten im Jahr 2014 erheblich erweitert – von 0,2 auf 2 Hektar – und sie pflanzten Haselnussbäume. Darüber hinaus werden dort auch Sträucher angebaut: schwarze Johannisbeeren, Heidelbeeren, die bereits voll ertragreich sind. Auf den restlichen Flächen des Betriebs werden Klee, andere Hülsenfrüchte und Getreide angebaut. Es gibt auch Schafe und Hühner, die unverkäufliches Gemüse sofort verarbeiten und hochwertigen Dünger für die Gärten produzieren. Vor einigen Jahren haben die Landwirte mehrere Bienenvölker gekauft. Darüber hinaus verfügen sie über eine kleine Verarbeitungsanlage, in der das gesamte Gemüse, das nicht unmittelbar nach der Ernte verkauft wird, durch Pressen von Obst- und Gemüsesaft, Reiben, Fermentieren oder Einlegen für den Verkauf verarbeitet wird.

Geschäftsmodell                     

Das Einkommen des Betriebes wird durch Direktzahlungen sowie Ausgleichszahlungen für die ökologische Landwirtschaft ergänzt. Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft erhalten Biobauern höhere Kaufpreise, um Verluste durch geringere Erträge zu kompensieren. Die Einkaufspreise einiger ökologischer Produkte liegen um mindestens das Zweifache über den Preisen für nicht-ökologische Produkte in Litauen. Das Haupteinkommen stammt jedoch aus dem Direktverkauf auf dem Bauernmarkt.

Zwei der wichtigsten Merkmale dieses Betriebs sind, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt und die dass die Inhaberin darauf vertrauen kann, dass sie von der gesamten Familie unterstützt wird, um alle notwendigen Arbeiten auf dem Hof durchzuführen und ihre Produkte zu verkaufen. Außerdem basiert das Konzept auf einem geschlossenen Produktionszyklus. Die einheimischen Pflanzen- und Tierrassen werden so ausgewählt, dass ein geschlossener Produktionszyklus in der Farm angewendet wird. Die Tiere werden meist nicht zum Verkauf, sondern zum Verzehr von ungenutztem Gemüse und Getreide sowie zur Herstellung des notwendigen Düngers für die Felder gehalten. Darüber hinaus gibt es auf dem Hof einige Bienenvölker, die zur Ertragssteigerung beitragen, sie tragen den Pollen besser als der Wind und produzieren auch Honig, der an die Kunden des „Rimkai-Biohofes“ verkauft wird. Die Landwirte versuchen ihr Bestes, um die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfüllen, deshalb haben sie Spargel gepflanzt – Gemüse, das in Litauen nicht üblich ist. Auf diese Weise produzieren sie weniger Gemüse, das nicht gekauft wird, und versuchen, die Verschwendung der Produktion so weit wie möglich zu minimieren. Verarbeitungsanlagen helfen auch in diesem Bereich, indem sie sicherstellen, dass Gemüse, das nicht verkauft wurde, auf andere Weise verarbeitet und später verkauft wird. Der geschlossene Produktionskreislauf ist nicht nur als Teil des ökologischen Landbaus wichtig, sondern führt auch zu höheren Einnahmen, indem die Vielfalt der angebotenen Produkte erhöht wird.

Innovative Praktiken                                        

Wie die Landwirte selbst betonen, gibt es wirklich nur wenige Konkurrenten, die eine solche Vielfalt an verschiedenen Beeren, Obst, Gemüse und anderen Produkten wie Säfte, fermentiertes Gemüse und Honig anbieten können. Das ist die Besonderheit des „Rimkai-Biohofes“. Dies könnte nicht ohne gesunden Optimismus, viel Arbeit und die Familienmitglieder, die sehr unterstützend und immer hilfsbereit sind, erreicht werden.

Zukunft          

Die Landwirte planen, die Fläche der Gemüsegärten zu reduzieren und die Fläche der Obstgärten und des Beerenanbaus zu vergrößern. Sie denken auch über den Bau einer neuen Verarbeitungsanlage auf dem Hof nach, was relativ hohe Investitionen erfordern würde. Aber die Landwirte sind optimistisch, weil sie überzeugt sind, dass große Projekte mit der nötigen Entschlossenheit umgesetzt werden können.

Tipps für Lernende                 

  • Suchen Sie immer nach Möglichkeiten, sich weiterzubilden und sich zu verbessern. Viele nützliche Informationen und Tipps finden Sie im Internet und in Publikationen.
  • Versuchen Sie, andere Biobauern und -bäuerinnen zu erreichen. Treten Sie Foren oder Verbänden bei, in denen Sie von den Erfolgen und Erfahrungen anderer Bauern und Bäuerinnen lernen können.
  • Seien Sie darauf vorbereitet, dass dies viel harte Arbeit erfordert und Sie auf Misserfolge oder Enttäuschungen stoßen werden.
  • Dieser Geschäftssektor erfordert Flexibilität und die Fähigkeit, sich trotz Rückschläge einen optimistischen Ansatz zu bewahren. Fokussieren Sie sich auf Ihre Ziele und nehmen Sie sich die Zeit erreichte Ziele zu würdigen.
  • Ein weiterer wichtiger Ratschlag lautet: Hören Sie Ihren Kunden zu und stellen Sie eine Verbindung zu ihnen her. Die Kunden können Ihnen am besten sagen, was auf dem Markt fehlt und was die Einzigartigkeit Ihres Betriebs sein könnte.

Autorinnen: Danguolė Rutkauskienė, Vytautė Monastyreckienė