Familienbetrieb mit Hanfanbau und Galloway-Rindern – Baranauskai farm

Der Baranauskai-Hof gehört Vaidas und Egle. Sie sind Landwirte, die erst vor kurzer Zeit einen eigenen Betrieb gegründet haben. Der Betrieb Baranauskai ist ein multifunktionaler Bauernhof, der auf halbem Weg zwischen Marijampole und Vilkaviskis liegt. Die Eltern von Egle gründeten den ursprünglichen Bauernhof 2006, wo sie Raps und Weizen für den Export produzierten. Im Jahr 2015 beschlossen Egle und Vaidas jedoch, eine zusätzliche Einkommensquelle zu etablieren. Mit der Unterstützung von Egles Eltern und EU-Fördermitteln gründeten sie ihren eigenen Bauernhof, wo sie mit dem Anbau von Bio-Hanf und Galloway-Rindern begannen. Der Anbau von Bio-Hanf ist in Litauen immer noch eine Nische, und obwohl sie nicht viele Konkurrenten auf dem litauischen Markt haben, mussten sie selbst zahlreiche Lektionen lernen. Zuerst kauften sie 40 ha Land und Rohstoffe und im Laufe der Zeit wuchs der Baranauskai-Hof auf 60 ha an. Derzeit verarbeiten und vertreiben sie ihre Produkte. In Zukunft wollen sie ihre Tätigkeit noch weiter ausbauen.

Der Betrieb    

Die Baranauskai-Farm ist seit kurzem ein zertifizierter biologischer Betrieb, auf dem Hanf als Hauptprodukt angebaut und Galloway-Rinder gezüchtet werden. Alle Hanffasern werden nach den Richtlinien der öffentlichen Institution Ekoagra biologisch angebaut. Meistens produzieren und verkaufen die Bauern nur den Rohstoff (getrockneter Hanf, seine Samen und Rinder).  Dieses Geschäftsmodell ist für neu gegründete Unternehmen leichter zu verfolgen, da sie auf bereits bestehende Strukturen zurückgreifen können. Um jedoch mehr Aufmerksamkeit auf Hanf und dessen Verarbeitung zu lenken und um eine Beziehung zu den Kunden aufzubauen, begannen die Landwirte, sich nach anderen Produktions- und Vertriebsmethoden umzusehen. Sie begannen, Hanfprodukte wie Hanftee zu produzieren und sie auf den Bauernmärkten von Marijampole, in Naturkostläden und auf den Messen und Festen der Stadt zu verkaufen.

Der Hanfanbau war in Litauen sehr lange Zeit illegal, aber nach der Legalisierung wurden neue Betriebe gegründet. Vaidas und Egle wählten diese Art der Landwirtschaft, weil sie sehr an den Vorteilen der Pflanze interessiert waren: dem Nährwert der Samen, dem Öl und anderen Verwendungen der Pflanze, wie z.B. Schindeln für den Bausektor und Fasern für die Textilindustrie. Die ökologische Viehzucht ist die Nebentätigkeit des Betriebs, die als Absicherung vorgesehen ist, falls die Hanfernte durch starke Regenfälle oder Dürreperioden, die derzeit häufiger auftreten, zerstört wird.

Die Landwirte nutzen drei Viertel ihrer Fläche für die Aussaat und den Anbau von Hanf. Der Rest wird für die Weidehaltung von Rindern und die ebenfalls ökologische Futtermittelproduktion verwendet.

Da sich das Aussehen der verwendeten Cannabisfasern nicht von drogenhaltigen Cannabispflanzen unterscheiden lässt, müssen die Landwirte einige Auflagen beachten. Die hier angebaute Pflanze ist jedoch für Raucher nicht geeignet, da es sich um eine spezielle Sorte handelt, die keine berauschenden Substanzen enthält. Bei der verwendeten Cannabisfaser beträgt der Anteil der berauschenden Substanzen nur 0,2 Prozent. Die Landwirte müssen bei der Aussaat alles genau dokumentieren: welche Art von Saatgut sie verwenden, alle Rechnungen, Zertifikate usw. Jede Aufzeichnung kann jederzeit überprüft werden, und es werden getrennte Aufzeichnungen über Cannabis selbst und Cannabisprodukte (z.B. Cannabisöl) geführt. Die gesetzlichen Bestimmungen für die Cannabisproduktion sind viel strenger als für andere Kulturpflanzen. Beispielsweise müssen sie den Beginn der Blüte bei der Ernte melden, und die Felder können jederzeit kontrolliert werden.

Entwicklungspfad                   

Die Landwirtschaft trat als zusätzliche Einkommensquelle ganz unerwartet in Egles Leben. Mit der Zeit wurde die Landwirtschaft jedoch immer rentabler, und sie investierte mehr Zeit und Energie in die Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Tätigkeit.

Ursprünglich gründeten Egles Eltern, die eines der fruchtbarsten Ländereien in Suvalkija (Südwestlitauen) besaßen, die Farm. Dort bauten sie auf traditionelle Weise Raps und Weizen an, wobei sie Chemikalien und Düngemittel verwendeten. Egles Eltern ermutigten sie und ihren Mann, sich in der Landwirtschaft zu engagieren, zumal es damals möglich war, EU-Subventionen für Jungbauern zu erhalten. Subventionen und elterliche Unterstützung waren die Hauptfaktoren, die die Gründung eines landwirtschaftlichen Betriebs ermöglichten. Im Gegensatz zu Egles Eltern entschieden sie sich für eine ökologische Produktionsweise. Diese wurde vor allem wegen der besonderen Eigenschaften der angebauten Pflanzen und ihrer Verwendung als Kräuter gewählt. Außerdem machen sich die beiden Gedanken über die Auswirkungen ihres Handelns und versuchen deshalb, nachhaltig zu wirtschaften.

Um EU-Subventionen zu erhalten, mussten die jungen Landwirte 20 Hektar eigenes Land besitzen. Das notwendige Grundstück erhielten sie als Geschenk von Egles Eltern; zusätzlich pachteten sie weitere 20 Hektar. Diese Unterstützung ermöglichte es ihnen, ihren eigenen Betrieb zu gründen. Der zweite und sehr wichtige Meilenstein war die EU-Förderung für die Modernisierung des Betriebs. Dank der EU-Förderung konnten sie die notwendigen landwirtschaftlichen Maschinen kaufen. Diese Unterstützung ermöglichte es den Bauern, ihren Betrieb zu gründen, aber ebenso wichtig waren die Erfahrung von Egles Eltern: ihre Beratung und ihre Verbindungen. Die Nachwuchslandwirte lernten so viel wie möglich von ihren Eltern, aber das war nicht ausreichend, da die Eltern keine Erfahrung im Hanfanbau und in der Anwendung ökologischer Methoden hatten. Deshalb mussten sie selbst herausfinden, wie man Hanf anbaut, und aus ihren eigenen Fehlern lernen. Sie erhielten auch Ratschläge von den wenigen Bauern, die etwa zur gleichen Zeit mit dem Hanfanbau in Litauen begannen. Am Anfang unterschätzten sie, was es bedeutet, Hanf anzubauen. Sie erwarteten, dass es einfach sein würde, Hanf anzubauen, aber in Wirklichkeit brauchten sie einige Zeit, um zu lernen, wie man die Pflanze richtig anbaut, denn Hanf reagiert sehr empfindlich auf unterschiedliche Anbaumethoden.

Geschäftsmodell                     

Der Baranauskai-Hof ist ein Familienunternehmen. Die Eltern von Egle haben wesentlich zum erfolgreichen Start des landwirtschaftlichen Betriebes beigetragen. Heute ist die junge Familie jedoch in erster Linie auf ihre eigenen Gewinne angewiesen und investiert in die Weiterentwicklung der Hanf-Farm. Der Betrieb am Baranauskai beschäftigt Angestellte und stellt Dienstleistungsgutscheine für ihre Arbeit aus. Diese Arbeiter sind auf dem Hof der Eltern von Egle fest angestellt, daher wissen sie, dass sie zuverlässige Menschen sind, die ihre Tätigkeit beherrschen.

Vaidas und Egle suchen Käufer auf internationalen Ausstellungen und Messen, arbeiten mit dem Baltischen Verband der Faserhersteller und -verarbeiter zusammen und nehmen an verschiedenen Geschäftsseminaren teil. Hanf ist eine sehr vielseitige Pflanze, da alle Pflanzenteile verwendet werden können. Teile der Pflanze werden direkt an die Käufer als Rohmaterial verkauft, andere Pflanzenteile werden für die Produktion verwendet. Die Hauptabsatzmärkte für die Produkte sind Großbritannien, Deutschland und Lettland. Die Letten kaufen die gesamte Cannabisfaser, die ein wertvolles Bindemittel für den Bau ist. Darüber hinaus werden die Fasern für die Papierproduktion verwendet und die zerkleinerten Stängel in der Ölindustrie eingesetzt.

Die Strategie des Unternehmens besteht darin, dass sie den gesamten Produktionsprozess unter ihrem Dach vereinen wollen. Ihr Hauptziel ist es, hochwertige Rohstoffe zu produzieren, diese richtig für die Produktion vorzubereiten, die Produktionstechnologie instand zu halten und die Produkte bedarfsgerecht zu verpacken. Die Landwirte verkaufen nicht nur die Rohstoffe an die Kunden, sondern stellen auch ihre eigenen Produkte her und verkaufen sie auf den lokalen Bauernmärkten, in Reformhäusern usw. So werden beispielsweise die Hanfblüten und die Samen getrocknet, um daraus Tee und Gewürze herzustellen. Zu erwähnen ist auch, dass der zweite Betriebszweig (Galloway-Rinderzucht) ebenfalls wichtig für die Sicherung des Familieneinkommens ist. Wenn die Ernte der Hanfpflanzen schlecht ausfällt, haben die Landwirte immer die Gewissheit, dass sie noch über eine andere Einkommensquelle verfügen, die zumindest teilweise die Kosten decken kann. Sie verkaufen sowohl Rinder für die Zucht als auch Fleischerzeugnisse.

Innovative Praktiken                                        

Sehr lange Zeit war der Anbau von Hanf in Litauen verboten. Erst vor einigen Jahren wurden weiche Drogen legalisiert. Vaidas und Egle hatten keine Angst vor den strengen Kontrollen von Hanf und gingen das Risiko ein. Somit konnte der Baranauskai-Hof rechtzeitig in den Markt einsteigen. Sie gründeten eine der ersten Hanffarmen in Litauen und hatten damals wenig Konkurrenz. Da es noch keine Vorbilder gab, mussten sie selbst viel über den Hanfanbau lernen. Mittlerweile haben sie genügend Erfahrung gesammelt und es sich zum Ziel gesetzt, die Pflanze von der Wurzel bis zur Blüte zu nutzen, so dass fast keine Abfallprodukte entstehen.

Seitdem in Litauen die Cannabisproduktion wieder in Schwung gekommen ist, investieren die Farmbesitzer viel Zeit in die Aufklärung über den umfassenden Nutzen von Hanf für unsere Gesundheit. Es wird kein spezielles Schulungsprogramm auf dem Hof angeboten, aber jeder, der mehr über diese Pflanze wissen möchte, ist eingeladen, bei einer Tasse Hanfblütentee mit den Besitzern zu sprechen und einen Rundgang über den Hof zu machen.

Zukunft

Vaidas und Egle planen, ihre Anbauflächen für Hanf zu erweitern, da auch der Markt expandiert und die Nachfrage nicht nur auf dem litauischen, sondern auch auf den internationalen Märkten steigt. In dem benachbarten Bauernhaus ist die Familie bereits dabei, die Anlagen zum Pressen von Cannabis Öl fertigzustellen. Nach dem Kauf einer Presse werden sie in der Lage sein, die reichhaltigen Öle der essentiellen Omega-3-, Omega-6- und Omega-9-Aminosäuren zu pressen, die für den menschlichen Organismus sehr wichtig sind. Diese Öle werden zusammen mit anderen Hanfprodukten, die sie bereits produzieren, vermarktet.

 

Tipps für Lernende                 

  • Evaluieren Sie zunächst all Ihre Optionen. Schauen Sie sich Ihr Netzwerk an und denken Sie darüber nach, welche Unterstützung Sie erhalten und was Sie im Gegenzug anbieten können. In diesem Fall hatten die beiden Gründer Glück, da sie Angehörige haben, die bereits erfolgreich in der Landwirtschaft tätig sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies der einzig mögliche Weg ist. Sie können die notwendige Unterstützung beispielsweise durch den Beitritt in einen Verein finden, der sich um die Förderung von Landwirten kümmert.
  • Versuchen Sie, alle Ihre Möglichkeiten auszuloten. Die EU unterstützt zum Beispiel junge Landwirte, was für Neueinsteiger sehr hilfreich sein kann.
  • Es ist immer ratsam, mit kleinen Schritten zu beginnen. Wenn Sie zu Beginn nicht über genügend Ressourcen verfügen, versuchen Sie, so viele Informationen wie möglich über die Qualität Ihres Saatguts und die Marktakzeptanz für das von Ihnen angebotene Produkt zu sammeln. Lernen Sie die natürlichen Bedingungen und die Qualität des Bodens kennen, auf dem Sie ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten ausüben, und passen Sie sich diesen Bedingungen an. Wenn Ihr Boden nicht produktiv ist, können Sie eine Diversifizierung in Betracht ziehen (z.B. Viehzucht).
  • Wenn Sie eine Direktvermarktung aufbauen wollen, versuchen Sie, so nahe wie möglich an Ihre Kunden heranzukommen. Lernen Sie Ihre Kunden kennen, sprechen Sie mit ihnen, und finden Sie heraus, was sie erwarten und was sie bevorzugen. Diese Informationen sind sehr wertvoll für Sie.
  • Und am wichtigsten ist: Lassen Sie sich nicht entmutigen und machen Sie weiter. Besonders der Anfang ist schwer, aber wenn sie nicht anfangen, werden Sie auch keinen Erfolg haben. Das heißt, dass Sie kontinuierlich auf Ihr Ziel hinarbeiten müssen.
  • „Wir hatten keine Ahnung, was Landwirtschaft wirklich bedeutet, wie man den Traktor fährt oder wie man ohne Pestizide düngt. Aber das hielt uns nicht davon ab, Landwirtschaft zu betreiben.“

Autorinnen: Vytaute Monasteryckiene, Danguole Rutkauskiene